Pflichten eines Listenkandidaten

Ich habe die Politik ja lange aus meinem Blog weitgehend herausgehalten. Aber nun rückt sie doch ein wenig mehr in den Vordergrund als ich gedacht habe. Die Piraten haben mich als Listenplatz 5 ihrer Landesliste für Schleswig-Holstein aufgestellt.

Erst einmal war ich ziemlich baff und überwältigt, denn das ist ein ganz schöner Vertrauensbeweis vieler Leute in mich. Dem muss man erst einmal Gerecht werden. Doch genau damit haben die Piraten ein Problem. Denn niemand von uns (außer Angelika) weiß, wie es ist Listenkandidat zu sein.

Deswegen will ich erst einmal etwas über die Erwartungen schreiben, die ich selbst von mir habe. Die Listenkandidaten auf den vorderen Plätzen haben ja die höchsten Chancen in den Landtag einzuziehen. Deswegen haben wir auch die höchste Verantwortung, denn wir repräsentieren die Leute, die uns zu Listenkandidaten gewählt haben.

Wir sind es ihnen schuldig, das wir das maximal Mögliche aus uns herausholen. Ich erwarte von mir selbst, mehr zu machen als jemand, der kein Listenkandidat ist. Ich erwarte von mir, das ich die Piraten und die Leute die mich gewählt haben optimal vertrete. Dazu muss ich in meinem persönlichem Leben Rückschritte machen. Ich selbst habe nun das Glück, beruflich bedingt sehr viel Zeit zu haben. Andere haben es da nicht so einfach.

Manche Leute aus den ominösen “Top 10″ sind Direktkandidat, Listenkandidat und Vorstand in einem. Diese Leute wollen ihrer dreifachen Verantwortung gerecht werden, diese Leute reichen auch Urlaub für die Wahl ein, diese Leute reißen sich besonders den Arsch auf. Für wen? Für euch, die ihr sie gewählt habt. Ihr habt uns das Vertrauen ausgesprochen und nun erwartet ihr auch, das wir unseren Job machen.
Aber was genau ist unser Job? Unser Job ist es primär, euch nach außen zu vertreten. Wir müssen uns um das Auftreten im Wahlkampf, die landesweite Präsenz, die landesweite Presse und Co kümmern. Warum kann das niemand anderes machen?

Weil die Außenwelt, die noch einen altmodischen Politikstil gewohnt ist, das so verlangt. Wir haben leider noch keine “Liquid Democracy” in SH. Bis wir soweit sind, das wir das verändern können, müssen wir uns leider mit der Repräsentativen Demokratie “herumschlagen”.

Deswegen habt ihr uns ja zu dem gemacht was wir jetzt sind, eure Vertreter, eure Repräsentanten. Ihr habt uns damit beauftragt, das wir uns um die oben genannten Dinge kümmern. Das verlangt ihr von uns. Einige von uns können sich voll darauf konzentrieren und versuchen andere Aufgaben zurückzustellen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Andere können das nicht, weil sie Direkt- und Listenkandidat sowie Vorstand sind.
Die Hälfte der “Top 10″ ist auch Direktkandidat. Wir standen alle zusammen draußen auf den Straßen und haben Unterschriften gesammelt. Ich habe jeden der “Top 10″ schon im Regen und in der Kälte draußen stehen sehen.

Wir unterscheiden nicht zwischen “Top 10″ und Direktkandidat. Wir sind alle Piraten.
Piraten mit unterschiedlichen Aufgabenfeldern. Niemand kann alles beackern, vor allem nicht alleine. Kein Spitzenkandidat kann alleine durch SH touren und überall Wahlkampf für die Piraten machen. Kein “Top 10″ kann sich in allen Landesregionen auskennen und überall die Piraten vor Ort kennen. Kein “Top 10″ kann alleine irgendeinen Wahlkampf gewinnen. Das geht nur wenn wir alle zusammenhalten.

Denn am Ende ziehen nicht die “Top 10″ in den Landtag ein, sondern die Piratenpartei zieht in den Landtag ein. Wir machen das alle, damit die große Sache gewinnt. Wir machen das nicht, weil wir machtgeiel oder aufmerksamkeitssüchtig sind, sondern weil wir was verändern wollen. Wir sind Politiker aus Notwehr. Wir ertragen das aktuelle System nicht mehr und wollen es ändern. Von innen heraus.

Wir müssen uns aber auch der Realität stellen. Wir haben begrenzte Mittel. Wir haben nicht einen Angestellten in ganz Schleswig Holstein. Niemand bekommt für seine Parteiarbeit Geld. Und doch müssen wir Geld für die verschiedensten Sachen ausgeben. Wir versuchen jedem Kandidaten der Piraten, egal ob Liste oder Direkt, eine Schulung zu ermöglichen.
Jedoch müssen wir irgendwo anfangen, dort wo es im Moment am Nötigsten gebraucht wird. Die Presse stürzt sich jetzt schon auf Torge und Angelika, aber wir müssen alle nachher etwas zu unseren Bereichen sagen können.

Bevor wir alle gar keine Schulung haben können, müssen wir bei den Repräsentanten anfangen. Ihr habt uns dafür gewählt, das wir einen Teil der Arbeit auf uns nehmen und das wir euch landesweit den Rücken freihalten können, damit ihr in eurem Wahlkreis das Land rocken könnt. Aber wir brauchen euch, genau so wie ihr uns braucht. Es ist ein Geben und Nehmen. Auch wenn ihr jetzt vielleicht für den Moment zurückstecken müsst, so arbeiten wir doch alle auf das Ziel hin, das wir nachher alle im Landtag in SH repräsentiert werden. Das unsere Stimmen dort gehört werden und das wir dort mitmischen.

Sagt den “Top 10″ was ihr von ihnen erwartet. Sagt uns was wir besser machen können. Wir versuchen das, was bei anderen schon Standard ist. Wir versuchen, ein Streaming der wichtigen Veranstaltungen zu organisieren, so wie es die Berliner getan haben. Wir versuchen auch eine groß angelegte Kandidatenschulung für alle zu organisieren. Wenn euch irgend etwas stört, denn sagt es, auf konstruktive Weise. Blockaden und Trotzreaktionen nützen nichts, ihr seid doch nicht Pirat geworden, um wegen solchen Sachen alles hinzuschmeißen, oder?

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Veröffentlicht unter Pers. Meinung, Piraten
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